It’s not a bug, it’s coolness

In alten Eclipse-Versionen wurden Anwendungen meistens über den “Run-Button” gestartet. Ein Klick und die vorher gestartete Anwendung wurde erneut gestartet. Das war an sich ganz praktisch, aber für “Code->Run Test->Run Application”-Zyklen leider unpassend.

Also erfanden das Eclipse-Team eine neue Funktionalität für den alten Knopf: Context launching. Leider wurde vergessen, dies dem Benutzer mitzuteilen. Der Knopf sieht aus wie früher, verhält sich (meistens) wie früher und hat auch sonst keine neuen Features. Nur manchmal, heimlich, wechselt der Kontext und man startet völlig unvorhergesehene Dinge.

Zuerst mal ein paar gute Nachrichten zu diesem Feature:

Damit hören die guten Nachrichten aber auch schon auf und die Probleme fangen an. Eine kleine Sammlung an Bugs zum Thema findet sich in den Links.

Das Feature wird bleiben – und damit eine meiner Meinung nach mittlere Usability-Katastrophe.

  • Alle Veteranen des “Run-Button” müssen umlernen oder die Funktion deaktivieren (anstatt es bei geeigneter Coolness bewusst zu aktivieren). Ok, das ist nur ein temporäres Problem der nächsten Monate
  • Der Kontext, und damit die “Intelligenz” im Hintergrund der Entscheidung, bleibt unsichtbar. Keine Farbe, kein Sinnbild, kein Ton. Ich bin wahrlich geübt im Umgang mit interrelationsreichen Computerprogrammen und Geräten, aber diesen Kontext habe ich nicht intuitiv erfasst.
  • Der Knopf bietet keinerlei Hinweis darauf, dass er jetzt etwas anderes tun wird als gerade eben noch. Er bietet auch keinen Hinweis darauf, was er jetzt tun wird. Schon eine leichte Umfärbung bei einem Kontextwechsel wäre zumindest ein Anfang.
  • Der Knopf funktioniert entweder mit Kontext oder ohne (im sogenannten Last-launch-Modus). Eine Art “Modus-Umschaltung” durch gedrückte Shift-Taste oder ähnlich gibt es nicht. Hier hilft nur der Weg durch die globalen Einstellungen oder das Bewusstmachen des Kontextes.

Fazit: Intention des Eclipse-Teams war die Erhöhung der Coolness der IDE. Erreicht wurde meiner Meinung nach eine Verhöhnung versierter Anwender: “Ihr habt es nicht mehr im Griff!”. Echte Coolness braucht den Überraschungsmoment nicht, um zu wirken.


Nachtrag/Ergänzung: In einem Kommentar zum verlinkten Blog-Eintrag des Eclipse-Teams wird davon geredet, dass das Feature sehr praktisch ist, wenn Eclipse im Tutor-Betrieb vor Studenten eingesetzt wird. Ich hoffe, trotz der unbestrittenen Wichtigkeit der Lehre, dass dies nicht der anvisierte bzw. hauptsächliche Einsatzzweck für Eclipse sein soll.

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